Tischgespräch mit... Designer Martin Ballendat

Der vielfach preisgekrönte Designer erklärt, warum er sich eher als Design-Pragmatiker sieht und warum die gerade Linie in der Küche nicht das Allheilmittel ist. 

Neue Designs 2021 von Martin Ballendat sind unter anderem das austroflex Systembett volando, das höchsten Schlafkomfort auch optisch auf ein neues Level bringt. Oder der Relaunch sowie die Erweiterung der erfolgreichen Esszimmer-Kollektion V-Alpin von Voglauer, deren Zusammenarbeit bereits seit einer Dekade währt.


Wo steckt der Unterschied zwischen gutem und hervorragendem Design?

Hervorragendes Design braucht zusätzlich etwas Knisterndes, etwas Besonderes. Und das erreicht man nur mit einem gewissen künstlerischen Touch, also etwas emotionalem, das einen intuitiv anspricht.

Welche Philosophie steckt hinter Ihren Entwürfen?

Ich sehe mich nicht als Philosoph, sondern eher als Pragmatiker. Im Gegensatz zu vielen meiner Berufskollegen ist bei uns unsere Werkstätte elementarer Bestandteil des Prozesses. Bei manchen Produktideen beginnen wir bereits nach der ersten Skizze mit Prototypen bzw. Mock-ups. Wir experimentieren und probieren vieles sehr früh aus. Und auch bei diesem "doing"-Prozess laufen uns immer wieder neue Problemlösungen über den Weg. Bloß nicht zuviel zeichnen und rendern. Bei uns zählen ausgefuchste Prototypen.

Ihr Studio gestaltet sehr viel für Küche und Esszimmer. Worauf kommt es dabei besonders an?

Besonders erfolgreich sind von uns Modelle, die viel Wärme und Behaglichkeit ausstrahlen. Gerade in der Küche besteht die Gefahr, dass alles viel zu clean und steril wird. Der Mensch ist fehlerhaft und ungenau. Die Küchenwelt hat derzeit scharfe Kante und gerade Linie geradezu gepachtet. Ich glaube, viele Menschen meinen, da mitziehen zu müssen, um modern zu sein, aber in Wirklichkeit fühlen sie sich dort nicht mehr wohl und ziehen zum Schwofen das undisziplinierte Irish-Pub um die Ecke vor.

Dürfen wir Sie als Profi fragen, wie man den perfekten Stuhl erfindet?

Ich weiß es offenbar nicht, denn ich bin auch die ganze Zeit auf der Suche danach. Denn immer, wenn ich meine, es geschafft zu haben, zweifle ich nach der Fertigstellung wieder daran, ob er wirklich perfekt ist. Denn es ist immer möglich, noch besser zu werden. Und eigentlich glaube ich, das ist gut so!

Wohnen Sie eigentlich umgeben von ihren eigenen Kreationen oder nehmen Sie die Arbeit nicht mit nach Hause?

Bei mir zu Hause hat offen gestanden meine Frau das Sagen, wie auch fast immer im Wohnbereich eher die Frauen die Einrichtungs-Entscheidungen fällen. Ich bin darum auch sehr dankbar, wenn meine Frau da und dort mein eigenes Design in unserem Privatbereich bevorzugt. Diese Konstellation finde ich aber komplett ok, denn bei mir im Office - und das sind inzwischen über tausend Quadratmeter - stehen ein paar Hundert Produkte von mir, das reicht mir.


Interview mit Martin Ballendat, Magazin KÜCHE 2020, Foto: Monika Löff

V-Alpin Impressionen

Die Kollektion V-Alpin besticht durch Modernität und Ursprünglichkeit. Jede Maserung ist individuell gewachsen, das Altholz bringt seine eigene Geschichte mit. Der Kontrast zwischen der puristischen Formensprache und dem besonderen Material ist speziell, spannend und sehr wohnlich.

Sehen Sie selbst!

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